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Perry Rhodan ist der Titelheld der gleichnamigen deutschen Science-Fiction-Serie, die seit dem 8. September 1961 ununterbrochen wöchentlich in Form von Heftromanen mit einer Druckauflage von etwa 80.000 Heften bei der Verlagsunion Pabel-Moewig, einer Tochter der Bauer Media Group, erscheint.
Hintergrund
Ursprünglich nur als 30- bis 50-bändige Heftserie gedacht, wurde Perry Rhodan in den folgenden Jahrzehnten mit über einer Milliarde verkaufter Hefte zur erfolgreichsten Science-Fiction- und Heftroman-Serie der Welt und zugleich zum ältesten, langlebigsten und meistgelesenen Produkt der deutschen Nachkriegsliteratur. Anders als die meisten anderen Heftromanreihen besteht Perry Rhodan nicht aus unverbundenen Einzelromanen, sondern ist als Serie mit einer durchgängigen, ständig komplexer werdenden Handlung angelegt und inzwischen »die umfangreichste und am längsten laufende Fortsetzungsgeschichte der Welt«.
Die Serie erscheint inzwischen – neben der ursprünglichen Heftromanform – unter anderem auch in Form von Hardcovern, Taschenbüchern sowie Hörspielen und Hörbüchern. Die erste Auflage der Heftserie erreichte am 17. Juli 2009 die Nummer 2500, die den Beginn des 36. Zyklus Stardust markierte.
Die Handlung der Perry-Rhodan-Serie ist in so genannte Zyklen gegliedert. Diese stellen inhaltlich weitgehend abgeschlossene Handlungsabschnitte dar und umfassen meist 50 oder 100 Heftromane. Heute noch be- und gerühmte Perry-Rhodan-Zyklen sind zum Beispiel Meister der Insel (Hefte 200–299), Aphilie (Hefte 700–799) oder Die Cantaro (Hefte 1400–1499). In jüngerer Zeit wurden auch Großzyklen mit übergeordneten Handlungsabschnitten von bis zu 400 Heftromanen gebildet: Das große kosmische Rätsel (Hefte 1600–1799) und Thoregon (Hefte 1800–2199).
Zu den Kennzeichen der Serie zählt auch die wiederkehrende Bezugnahme auf Personen, Orte oder Ereignisse aus längst vergangenen Episoden, bisweilen auch eine »Umdeutung dessen, was schon geschah, im Lichte neu erworbenen Wissens«. Grundidee der Perry-Rhodan-Serie ist die Entwicklung einer Art »zukünftiger Menschheitsgeschichte«, die »in unserer Jetztzeit beginnt, mit dem bemannten Mondflug, begreifbarer und realistischer Technik, die nach und nach ausgebaut wird«. Dieser »geniale Kunstgriff« einer »Verankerung des Zukunftszenarios im Hier und Jetzt hat sich später immer als Fundament der Serie erwiesen«. Der Vorspann des ersten Heftes charakterisiert das Leitmotiv wie folgt:
»Perry Rhodan […] führt hinein in die vor uns liegenden Jahrtausende und über Abgründe hinweg zu Sternenreichen, die seit Millionen von Jahren auf uns warten. Er führt in eine Zeit, in der die Nachkommen der Menschen von der Erde nur noch wie von einem Mythos reden und ein vereinsamter Planet um eine längst erloschene Sonne kreist, die einst Mittelpunkt des Universums war.«
Zur Perry-Rhodan-Serie gibt es inzwischen eine ganze Reihe kulturwissenschaftlicher Untersuchungen. Der in erster Linie ideologiekritische Zugang der 1970er Jahre wurde in den 1980er Jahren von werturteilsfreieren Ansätzen abgelöst. Um 2003 wurde diese Zugangsweise in den Perry Rhodan Studies weitergeführt.
Handlung
Die Handlung beginnt im Jahr 1971 n. Chr., in welchem die Erde in drei große Lager gespalten ist: Den Westblock, einem NATO-ähnlichen Staatenbund unter der Führung der USA, der von China dominierten Asiatischen Föderation und dem weniger bedeutenden, von Moskau geführten Ostblock. Die Menschheit steht kurz vor dem Dritten Weltkrieg zwischen den großen Machtblöcken und damit auch ihrer atomaren Selbstvernichtung.
Die Konfrontation auf der Erde wird auch über den Wettlauf zum Mond geführt, welchen der Westblock gewinnt. Die Handlung setzt mit dem Start des amerikanischen Raumschiffes STARDUST unter dem Kommandanten Major Perry Rhodan ein. Nach der Notlandung auf dem Mond findet die Besatzung auf der erdabgewandten Seite ein havariertes außerirdisches Forschungsraumschiff des Volkes der Arkoniden. Mit dessen Besatzung kommt es auf Betreiben des arkonidischem Wissenschaftlers Crest zum ersten Kontakt zwischen Menschen und Extraterrestriern. Die Arkoniden machen Rhodan deutlich, dass die Menschen nur ein Volk unter vielen in der Milchstraße sind und dort Hunderte von bekannten Zivilisationen existieren und Raumfahrt betreiben.
Mit Hilfe von arkonidischer Technik und nötigem Know-How, das Crest zur Verfügung stellt, gelingt Rhodan die Verhinderung eines atomaren Weltkrieges: er landet in der Wüste Gobi, verweigert die Herausgabe der außerirdischen Technik an den Westblock und desertiert. Er errichtet in der Wüste, inmitten des chinesischen Hoheitsgebietes, einen neutralen Staat, den er die Dritte Macht nennt und verpflichtet sich und dessen Ziele der gesamten Menschheit. Dem von allen irdischen Großmächten zum Weltfeind Nummer Eins erklärten Rhodan gelingt es, weitere Menschen um sich zu sammeln. Gemeinsam stabilisieren sie den jungen Staat und wehren erste Bedrohungen ab.
Mit einem Beiboot des Arkonidenschiffes beginnt Rhodan mit der Erkundung der näheren galaktischen Umgebung. Bei einer dieser ersten Expeditionen in die Milchstraße stößt Rhodan auf ein vor Ewigkeiten angelegtes galaktisches Rätsel. Nachdem er verschiedene Aufgaben gelöst hat, gelangt er zum künstlichen Planeten Wanderer und dessen Erbauer, der Superintelligenz ES. Dieses auf einer höheren kosmischen Evolutionsstufe stehende geistige Kollektivwesen gewährt ihm und einigen Gefährten im Jahr 1976 n. Chr. die Relative Unsterblichkeit. Hierdurch gewinnt Rhodan Zeit, seine Ziele langfristig zu verfolgen.
Mehr und mehr Menschen erkennen, dass die Erdbewohner nur vereint in der Ungewissheit ihrer Zukunft bestehen können. Im Lauf der Zeit und im Angesicht der aus der Milchstraße auftretenden Gefahren gelingt es Rhodan und seinen Mitstreitern, die Menschheit zu einen. Die mittlerweile in der Wüste Gobi errichtete, hochmoderne Stadt Terrania wird zur Hauptstadt der vereinten Menschheit. Schnell adaptieren die Menschen die arkonidische Technologie. Im Jahr 1990 wird das Solare Imperium gegründet und es beginnt die Kolonisation neuer Sonnensysteme und der Aufbau einer galaktischen Zivilisation der Menschen, die sich nun Terraner nennen. Perry Rhodan wird mehrfach durch demokratische Wahlen Regierungschef der Erde und des Solaren Imperiums, dass sich durch seinen schnellen Aufstieg zu einem wichtigen Machtfaktor in der Milchstraße entwickelt und immer stärker die Aufmerksamkeit anderer galaktischer Zivilisationen auf sich zieht. In dieser Zeit wacht der ebenfalls unsterbliche Arkonide Atlan auf der Erde aus seinem Tiefschlaf auf und wird nach Wirrungen zu einem engen Verbündeten und Freund Rhodans und zu einer bis heute bestimmenden Person neben ihm.
In verschiedenen Handlungszyklen wird das Solare Imperium in folgenden Jahrhunderten immer wieder bedroht und kämpft um seinen Bestand. Während des Kampfes gegen die Meister der Insel um 2.400 n. Chr. wird enthüllt, dass die heutige Menschheit die Nachfahren der ersten Menschen, der Lemurer, sind. Die Lemurer kolonisierten und beherrschten von der Erde aus bereits 50.000 Jahre v. Chr. die Milchstraße. Die Epoche des Solaren Imperiums endet erst im Jahr 3460 n. Chr. durch die Invasion der Raumflotten aus dem Konzil der Sieben. Diese extragalaktische Völkergemeinschaft übernimmt nach und nach die Kontrolle über die Völker der Milchstraße. Um der Besetzung zu entgehen, machen die Terraner die Erde selbst zum Raumschiff und verlassen mit ihr die Galaxis. Menschliche und nichtmenschliche Völker der Milchstraße bilden auf Initiative des zurückgebliebenen Atlan eine galaktische Gemeinschaft, um sich gegenseitig zu helfen und das Konzil langfristig zu bekämpfen. Rhodan und seine Gefährten müssen derweil auf Odysseen durch die Galaxien gegen Superintelligenzen und andere Mächte bestehen. Erst 125 Jahre später wird das Konzil aus der Milchstraße vertrieben und die Erde kehrt ins Sonnensystem zurück. Dort wird am 1. Januar 3586 n. Chr. die Liga Freier Terraner (LFT) ausgerufen. Sie ist auch in der Handlungsgegenwart der Serie noch die politische Heimat der Menschen.
Der Heftroman 1000 (Der Terraner, Erscheinungsjahr 1980) schildert den Beginn der Neuen Galaktischen Zeitrechnung (NGZ), deren Jahr 1 dem Jahr 3588 n. Chr. entspricht. In der Folgezeit schützen Rhodan und seine Mitstreiter die Milchstraße wiederholt vor Bedrohungen. Immer mehr wird deutlich, dass viele dieser Bedrohungen aus Aktionen und Konflikten der Hohen Kosmischen Mächte resultieren, in welche die Milchstraße und die Terraner im Besonderen zunehmend verwickelt werden. Im Großzyklus Moralischer Kode wird den Terranern immer deutlicher, dass im Multiversum zwei Seiten um die Hoheit kämpfen: die Kosmokraten (Ordnungsmächte) und die Chaotarchen (Chaosmächte). Terraner wie auch die anderen galaktischen Zivilisationen sind auf deren Spielfeld nur Schachfiguren, da diese Mächte zu entrückt sind, um auf die Bedürfnisse individuellen Lebens Rücksicht zu nehmen. Rhodan und Atlan werden 425 NGZ zu Rittern der Tiefe geweiht, einem der kosmischen Ordnung verpflichtetem Orden. Sie sind damit de facto Vertreter der kosmischen Ordnungsmächte, überwerfen sich später aber mit diesen und versuchen in der Folge, eigene, neutralere Wege zu gehen. Die Unsterblichen bewahren ihre relative Unsterblichkeit (Großzyklus: Zellaktivatoren) und sie entdecken die andere Seite des Universums (Großzyklus: Das große kosmische Rätsel).
In diesen Jahrhunderten vermeidet es Rhodan, sich mit den anderen unsterblichen Handlungsträgern und Freunden in die politische Führung Terras einzumischen. Die Terraner selbst erkennen jedoch wieder und wieder, dass ihre Zivilisation, das Solsystem und auch die Milchstraße Brennpunkte der kosmischen Geschichte und Handlung sind. Obwohl sie sich nach friedlichen, ruhigen Epochen sehnen, sind ihnen diese selten vergönnt.
Der Heftroman 2000 (ES, Erscheinungsjahr 1999) schildert Rhodans Rückkehr an die politische Spitze der LFT im Jahr 1303 NGZ (4890 n. Chr.) und seine Wahl zum Terranischen Residenten. Während dieser Zeit steigt auch das arkonidische Kristallimperium wieder zum beherrschenden Machtfaktor in der Milchstraße auf und wird durch den ebenfalls unsterblich gewordenen Imperator Bostich I. zum schärfsten Konkurrenten der LFT. Unter Rhodans erneuter Führung versuchen die Terraner um den Beginn des 14. Jahrhunderts NGZ (ca. 4.900 n. Chr.) vergeblich, sich aus dem endlosen Konflikt der Hohen Kosmischen Mächte zu lösen und auf eine vermutete, neutrale Seite überzuwechseln (Großzyklus: Thoregon). Dieses Vorhaben scheitert letztlich und so sind die Terraner weiterhin eines der wichtigsten Hilfsvölker der Superintelligenz ES, welche klar auf Seiten der Ordnungsmächte steht.
Ab dem Band 2200 zeichnet sich während des Konfliktes im Sternenozean von Jamondi ab, dass die Lokale Gruppe in den Fokus der Chaotarchen geraten ist. Diese wollen in der nahegelegenen Galaxis Hangay eine Negasphäre errichten. In dieser werden die gültigen kosmischen Gesetze außer Kraft gesetzt und die Chaosmächte herrschen. Die Völker der Milchstraße geraten an den Rand ihrer Vernichtung, als sich die zu diesem Zweck von den Chaosmächten entsandte, unermesslich große Raumflotte Terminale Kolonne Traitor der Milchstraße und ihrer Nachbargalaxien bemächtigt. Rhodan organisiert mit Hilfe vieler Verbündeter den Kampf gegen die Terminale Kolonne und deren Befehlshaber, die negative Superintelligenz KOLTOROC. Mittels einer Zeitreise in die Vergangenheit kann er die Beseitigung einer anderen Negasphäre beobachten, daraus lernen und Mittel finden, die entstehende Negasphäre in Hangay zu beseitigen. Nur knapp und mit viel Glück entgehen die Milchstraßenvölker - vorläufig - dem schon seit Milliarden Jahren währenden Konflikt zwischen den Hohen Kosmischen Mächten, jedoch verliert Rhodan im Kampf gegen KOLTOROC seine Aura als Ritter der Tiefe.
Die Handlung des im Juli 2009 veröffentlichten Heftromans 2500 beginnt im Jahr 5050 n. Chr. (Jahr 1463 NGZ) und eröffnet den Stardust-Zyklus als neuen Abschnitt der zukünftigen Menschheitsgeschichte. Er steht im Zeichen weiterer Geheimnisse und einer ultimaten Bedrohung von ES, der terranischen Kolonie in der Galaxis Anthuresta und des Konfliktes mit den VATROX-Entitäten.
Perryversum
Der Begriff Perryversum beschreibt den fiktiven Parallelkosmos, in dem die Abenteuer der Protagonisten der Perry-Rhodan-Serie erzählt werden: eine inzwischen höchst komplexe Mythologie der seit 1961 produzierten Heftromanserie.
Die einzelnen Romane behandeln die kosmologische Orientierung oft als eine Art »Hintergrundrauschen«, in dessen Rahmen individuelle Schicksale ablaufen. Die Autoren sind sehr darum bemüht, den Bezug zu den Wünschen, Gedanken und Hoffnungen einzelner Menschen nicht zu verlieren. Die Konflikte, die sich ergeben, sind ähnlich wie wir sie aus dem Alltagsleben kennen, nur dass jetzt viele Ideen der Science Fiction diesen Alltag bestimmen können. Hierzu gehören zum Beispiel Erscheinungen der Parapsychologie sowie die Möglichkeit, ferne Welten und fremde Kulturen zu erleben. Gerade die Beschreibungen fremder Zivilisationen, ihrer Individuen und deren Probleme sind oft lesenswert. Oft widmen sich Doppelbände (d. h. zwei Bände eines Autors hintereinander zum selben Thema) der Geschichte und Kultur einer neu eingeführten Zivilisation oder der Lebensgeschichte einer neuen, wichtigen Figur.
Perry Rhodan wird schon im Kindesalter von der Superintelligenz ES für die kosmischen Ereignisse der Zukunft auserkoren und entsprechend »angeleitet«, um auf den Mond zu gelangen und später das Erbe der Arkoniden anzutreten. Diese wurden von ES vergeblich auserwählt, den Völkern der Galaxis den Frieden zu bringen, da sie sich nach ihrer expansorischen Phase nicht weiterentwickelten, sondern degenerierten. Bei solchen Planungen rechnet ES mit Zeiträumen von Jahrzehntausenden, so dass Perry Rhodan einen speziell auf ihn abgestimmten Zellaktivator erhält, wie zuvor schon der Arkonide Atlan, der vor 10.000 Jahren auf der Erde gestrandet ist und nach dem der untergegangene Kontinent Atlantis benannt wurde. Weitere 25 von jedem Individuum tragbare Aktivatoren wurden von ES in der Milchstraße verstreut und garantieren nach ihrem Auffinden auch einigen Vertrauten Perry Rhodans die relative Unsterblichkeit. Diese ist nur relativ, weil lediglich der natürliche Tod durch Alterung oder Krankheiten verhindert wird. Die Unsterblichkeit ist nicht absolut, weil die Träger durch Unfall oder Gewalteinwirkung sterben können. Später werden die eiförmigen, an einer Halskette getragenen Aktivatoren von ES gegen in der Schulter implantierte Chips ausgetauscht. Die Aktivatorchips werden auf den jeweiligen Träger justiert und sind nicht mehr ohne weiteres übertragbar.
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